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Städte-Partnerschaft Biebesheim am Rhein mit Romilly-sur-Andelle


Besuch in Romilly-sur-Andelle vom 07. bis 11. September 2017 (2)

Samstag, 09. September 2017
Für den heutigen Tag stand der Ausflug nach Amiens auf dem Programm, das u.a. auch mit Dortmund verschwistert ist. Das Wetter zeigte sich nicht von seiner besten Seite, aber die Hoffnung war da, nach der zweistündigen Busfahrt in den Norden Frankreichs keinen Regen vorzufinden, denn als erstes Highlight war eine Gondelfahrt durch die "Schwimmenden Gärten von Amiens" (Hortillonnages d'Amiens) vorgesehen.
Die "Schwimmenden Gärten von Amiens" sind ein rund 300 Hektar großes Gebiet, das in der Nähe des historischen Zentrums von Amiens gelegen ist. Schon in vorrömischer Zeit war es ein Sumpfgebiet, im dem Torf als Brennmaterial gestochen wurde. Durch die hierzu zahlreich entstandenen Kanäle und Hunderte von kleinen Wasserläufen, die insgesamt mehr als 65 km Länge aufweisen, entstanden aus den einstigen Torfabbaustellen viele kleine Inseln, auf deren fruchtbaren Böden sich ab dem Mittelalter ein reger Gemüseanbau entwickelte. Man könnte das Gebiet auch als riesige Schrebergartenanlage ansehen, zu der man nur per Boot hinkommt. Von oben sieht das Areal aus, als ob auf einem großen See viele kleine Inseln schwimmen würden, daher der Ausdruck "Schwimmende Gärten". Wer Gemüse anbaut, verkauft dieses samstags im Stadtteil Saint-Leu am Ufer der Somme. Am dritten Juniwochenende jeden Jahres wird das Hortillonages-Fest gefeiert, bei dem dann die Produkte wie Anno Dazumal von den Gemüsebauern, gekleidet in historische Gewänder, direkt aus den Kähnen heraus verkauft werden, so dass es an diesem Wochenende einen besonderen touristischen Blickfang gibt.
 

Die Inhaber der Parzellen müssen sich verpflichten, diese sorgfältig zu pflegen und zu bepflanzen. So sieht man auf der Rundfahrt sowohl Gärten mit Gemüsekulturen als auch aufwendig gestaltete botanische Kreationen, die schon kleine Kunstwerke darstellen können. Eine weitere Hauptaufgabe der Eigner ist der Erhalt der Uferböschungen ihrer Insel, denn der torfige Boden bröckelt zu gerne in die Kanäle hinein. Für die Nutzung der Kanäle gibt es strenge Regeln, Boote dürfen nur mit Elektromotoren betrieben werden, sie müssen eine bestimmte Bugform haben und dürfen nur sehr langsam fahren, um Wellenschlag zu vermeiden. Auf den Inseln ist lediglich eine kleine Schutzhütte erlaubt, z.B. für Werkzeug, es gibt dort keinen elektrischen Strom, aber auch keine Stechmücken, trotz Sumpfgebiet, denn in den Kanälen fließt das Wasser permanent, da sie durch die Somme gespeist werden.
Leider meinte es der Wettergott während der Rundfahrt nicht allzu gut mit uns, immer wieder regnete es und hüllte alles in ein ungewisses Grau, außerdem war das beschirmte Fotografieren auch ein wenig umständlich. Dennoch hinterließ die Fahrt einen imaginären Eindruck, wie es dort sein kann, wenn sonniges Wetter die Farbenpracht der Gärten auf den vielen Inseln zum Leuchten bringt.
Da sich die "Schwimmenden Gärten" in der Nähe des Stadtzentrums befinden, spazierten wir nach der Gondelfahrt zum Restaurant "Le Quai", das sich direkt am Ufer der Somme im alten Stadtviertel Saint-Leu befindet, denn der Regen hatte gerade aufgehört. Wir hatten im Lokal kaum Platz genommen, ging ein gewaltiger Regenschauer wie ein Wasser-Finale über die Stadt nieder, denn für den Rest des Aufenthaltes in Amiens schloss sich ein sonniges Wetter an, leider zu spät für die Gondelfahrt.
Bei einer Führung durch die Altstadt nach dem Mittagessen erhielten wir nähere Einblicke in die Geschichte Amiens. Natürlich spielt da die Kathedrale eine besondere Rolle und natürlich der heilige Martin, der in dieser Stadt im Winter des Jahres 338/339 seinen Mantel mit einem Bettler geteilt haben soll.
Die Somme durchfließt Amiens sowohl als schiffbarer Fluss als auch mäandernd in viele schmälere Nebenarme aufgeteilt. Dabei teilt der schiffbare Fluss das alte Amiens in die Arbeiterseite, wo auch das Restaurant lag, und die reichere Seite, wo sich die Kathedrale befindet. Beim Überqueren des Flusses fiel eine Statue auf, die sich mitten im Fluss befand. Es ist eines der Kunstwerke von Stephan Balkenhol, ein deutscher Künstler, dessen "Markenzeichen" solche aus Weichholz geschnitzten Figuren sind. Das Kunstwerk heißt "L'homme sur la bouée" (Der Mann auf der Boje) und wurde 1993 in der Somme installiert. Der Mann scheint in Richtung der Kathedrale zu schauen, bei näherem Hinsehen erkennt man jedoch, dass er zu einer weiblichen Figur am gegenseitigen Ufer hinsieht, zu "La Femme à la Robe verte" (Die Frau im grünen Kleid), die vor einer Hausfassade installiert wurde. Beide Figuren bilden zusammen ein Ensemble. Dem Künstler ist wichtig, dass seine Werke keine Geschichten erzählen, der Betrachter soll sie selbst entdecken. Weiß man nun, dass sich im Rücken des Mannes das arme Arbeiterviertel Saint-Leu befindet und die Frau auf der reichen Flussseite steht, kann man jetzt der Phantasie freien Lauf lassen und eigene Deutungen dieses Ensembles für sich selbst entdecken. Der Mann im Fluss erhält übrigens von den Studenten der Stadt Amiens wöchentlich ein neues Bekleidungsaussehen.
 


Der Rundgang führte uns an geschichtsträchtigen Plätzen vorbei wie den Justizpalast und das Rathaus. Das Ende des Rundgangs bildete der Besuch der Kathedrale Notre Dame d'Amiens, deren Grundstein im Jahr 1220 gelegt wurde. Innerhalb von gut 50 Jahren wurde der Bau fast fertig gestellt, wobei zwischen 1240 und 1258 der Baufortschritt wegen Geldmangels ruhte. Die schnelle Bauzeit wurde durch das serienmäßige Produzieren "genormter" Bauquader ermöglicht, die vorwiegend außerhalb der Baustelle hergestellt werden konnten und dadurch das schnelle Zusammensetzen der Mauern und Säulen förderten.
Während die beiden Türme, fertig gestellt im Jahr 1366 (Südturm) und Anfang des 15. Jahrhunderts (Nordturm) relativ klein aussehen, ragt die Spitze des Dachreiters stolze 112,70 Meter hoch empor. Er wurde erst im 16. Jahrhundert vollendet. Die Kathedrale ist heute das größte komplett fertig gestellte französische Kirchengebäude des Mittelalters.
Die Westfassade ist mit ihren drei kunstvoll gestalteten Portalen eine prächtige Augenweide. Die Portale sind nicht nur Eingänge zu einem imposanten Kirchenbauwerk, an ihnen sind Bildergeschichten aufgeführt, die für die damalige Zeit für Menschen, die weder lesen noch schreiben konnten, als Ratgeber in Form eines "Bilderbuchs" dienen sollten. So ist z.B. aufgeführt, welche landwirtschaftlichen Arbeiten im jeweils entsprechenden Monat zu tätigen sind, damit letztendlich eine Ernte eingefahren werden kann. Die Tierkreiszeichen eines Jahres sind dabei mit eingebunden. Natürlich fehlt auch nicht die Darstellung des Jüngsten Gerichts mit dem Scheideweg zum Paradies oder zur Verdammnis.
Das Innere der Kathedrale ist erstaunlich hell, was den großen Fensterfronten zu verdanken ist. Mit 42,3 Metern Höhe imponiert das Mittelschiff des dreischiffigen Langhauses. Hier befindet sich auf dem Boden als Achteck ausgearbeitet ein Labyrinth aus schwarzen und weißen Steinfliesen. Es ist eine Rekonstruktion des zerstörten Originals von 1288. So dekorativ es aussieht, es diente nicht vorrangig dazu, schmückende Schönheit darzustellen. Es sollte vielmehr denjenigen, die nicht in der Lage waren, eine Pilgerreise nach Jerusalem anzutreten, die Gelegenheit bieten, eine symbolische Strecke in der Regel auf Knien zu pilgern, dabei fürs Seelenheil zu beten und im Gegenzug einen Ablass zu erwirken.
Leider war die Zeit zu kurz, sämtliche interessanten Sehenswürdigkeiten näher zu bestaunen. Um 17:15 Uhr war nämlich die Abfahrt nach Rouen angesetzt, wo wir das Abendessen einnahmen, um danach rechtzeitig in Romilly-sur-Andelle anzukommen, denn für das Blütenfest war ein großes Feuerwerk angesetzt.
In Romilly-sur-Andelle hatte es den Tag über oft geregnet, kurz vor dem Einlass ins Stadion, wo das Feuerwerk in der hinteren linken Ecke aufgebaut war, hatte der Regen aufgehört, so dass es pünktlich um 23:00 Uhr abgebrannt werden konnte. Ca. 100 Meter von den Abfeuerpunkten entfernt konnten wir uns an einem schönen Feuerwerk erfreuen, das hervorragend choreografisch synchron mit der Musik abgestimmt war. Nach 20 Minuten war es zu Ende und kurz darauf begann es wieder zu regnen, so dass es niemandem schwer fiel, nach einem solch erlebnisreichen Tag schnell ins Bett zu kommen. (wird fortgesetzt, Bericht: Andreas Heister, Bilder: Karin Busse)

 



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