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Städte-Partnerschaft Biebesheim am Rhein mit Romilly-sur-Andelle Deutsch-Intensivsprachkurs in Biebesheim (2)


Historische Rheinschiffsmühle in GinsheimDienstag, 11. März
Am Vormittag war wieder normaler Sprach-Unterricht von 8:30 bis 12:30 Uhr, danach ging es zur Firma Merck zum Mittagessen, an dem auch Bürgermeister Thomas Schell teilnahm. Hierbei konnte er sich zu seiner Überraschung überzeugen, dass die sprachlichen Lernerfolge der Kursteilnehmer schon nach zwei Tagen Unterricht soweit gediehen waren, mit ihm eine kleine Unterhaltung zu führen.
Als Nächstes wurde um 14:00 Uhr die Fahrt nach Ginsheim angetreten, um die dort befindliche "Historische Rheinschiffsmühle" zu besichtigen. Im Bereich des Liegeplatzes lagen bis ins 19. Jahrhundert hinein mehrere Jahrhunderte lang bis zu 22 Schiffsmühlen im Altrhein, später wurden im Hauptstrom verankert, da dort das Wasser mehr Kraft auf die Schaufeln gab, wo im Jahr 1928 dann mangels Rentabilität die letzte Schiffsmühle außer Betrieb gesetzt und nach Mainz verbracht wurde, wo sie als Museum eingerichtet werden sollte. Im Jahr 1945 zerstörte eine Bombe diese letzte Rheinschiffsmühle, lediglich der Stahlponton blieb übrig, der heute das Clubhaus des Motor-Yacht-Clubs Baden-Baden in Beinheim/Elsass trägt.
Im Jahr 2008 gründete sich der Verein Historische Schiffsmühle Ginsheim e.V., der die originalgetreue Rekonstruktion nach vorhandenen historischen Unterlagen der jetzigen Rheinschiffsmühle vornahm, wie sie auf dem technischen Stand zum Ende des 19. Jahrhunderts sich darstellte einschließlich der didaktischen Darstellung des Lebens der Müller und Müllerburschen mitten im Rheinstrom in dieser Zeit. Hierfür wurden aus diversen stillgelegten Mühlen alte Mühlengeräte ausgebaut und hier dergestalt integriert, dass der komplette Ablauf in der Mühle mit funktionierenden Geräten dargestellt werden kann, angefangen vom Anliefern des Korns per Boot bis hin zum fertigen Endprodukt der geforderten Mehlsorte.
Das Leben eines damaligen Müllerburschen war kein Zuckerschlecken, denn Schiffsmühlen waren rund um die Uhr 24 Stunden in Betrieb. Meistens allein wurden von ihm in Handarbeit die Säcke mit 100 kg Korn vom Boot in die Mühle nach oben geschleppt, in die Mahlbehälter verbracht und natürlich das Mehl unten wieder in die Säcke verfüllt. Es gab Alarmvorrichtungen, die eine Glocke erklingen ließen, wenn der Behältervorrat zu Ende zu gehen drohte, denn es dauerte schon einige Stunden, bis ein Behälter leer gemahlen war und ab und zu musste sich auch ein Müllerbursche mal in seiner 6 m² großen Kajüte schlafen legen oder an anderer Stelle die eine oder andere Reparatur- oder Wartungsarbeit vornehmen. Neben einem kargen Lohn bei freier Kost und Logis gab es im Jahr auch an drei Feiertagen frei.
Es bedurfte viel Zeit von vielen engagierten Ehrenamtlichen, das im Jahr 2011 als originalgetreue Rekonstruktion des Schiffes mit Mühlenhaus wieder erstehen zu lassen und noch sehr viel weiteres Engagement und noch mehr handwerklichen Zeitaufwand, das "Innenleben" der Rheinschiffsmühle ein- und aufzubauen und in Betrieb zu nehmen. Die beiden Schaufelräder sind für den Betrieb in der Strommitte ausgelegt, an der Liegestelle ist der Wasserfluss zu gering. Deshalb treibt ein kleiner Motor diese an, denn die Rheinschiffsmühle in die Strommitte zu verlegen verbietet sich schon aufgrund des dort herrschenden regen Schiffsverkehrs. Jedenfalls wäre die Rheinschiffsmühle mit ihrer heute wieder funktionierenden Technik auch in der Lage, Mehl zu mahlen. Ob dann aber die Besucher vom sich in der kompletten Rheinschiffsmühle anfallenden und ausbreitenden Mehlstaub begeistert wären, wäre sicherlich fraglich, ganz abgesehen davon, dass wohl die hierzu nötigen hygienischen Vorschriften eine Besichtigung unmöglich machen würden.
Allerdings ist es im Gegensatz zu früher heute möglich, diese Rheinschiffsmühle als originellen Ort für Familienveranstaltungen zu mieten, z.B. für Hochzeiten, größere Jubiläen o.ä..
 

Die Küche der Nibelungen-Chuchi Biebesheim auf dem Hofgut WasserbiblosNach diesem kulturellen Ausflug in die Endzeit des 19. Jahrhunderts begaben sich die sieben Kursteilnehmer mit dem Chronisten des Artikels sowie Frau Mechthild Geier in ihrer Funktion als Dolmetscherin - diese Aufgabe hatte sie auch bei allen anderen Ausflügen in gewohnt professioneller Weise inne - und fünf Personen aus den Gastgeberfamilien zum Hofgut Wasserbiblos bei Crumstadt, welches das Domizil der Nibelungen-Chuchi Biebesheim ist.
Um es gleich zu Beginn zu sagen und alle Missverständnisse auszuräumen: Nibelungen-Chuchi Biebesheim sind keine Personen oder Männer oder Köche. Das Wort "Chuchi" [ausgesprochen: "cku-cki"] stammt aus dem Schweizerischen und bedeutet so viel wie heimatliche Küche. Chuchi kann man somit quasi wie einen Vereinsnamen ansehen, äquivalent eines Vereins wie z.B. eines Turnvereins, wo als Hobby geturnt wird. Chuchi sind somit Vereine oder noch besser gesagt, Kochgemeinschaften, wo als Hobby gekocht wird, in diesem Fall allerdings nur von Männern, was einen gesellschafts-geschichtlichen Hintergrund hat.
Im Jahr 1960 gründete sich der "CC-Club kochender Männer in der Bruderschaft Marmite e.V." als eine Vereinigung von Hobbyköchen in Deutschland, basierend auf der schon in der Schweiz etablierten Idee, Kochkunst, Esskultur und gute Tischmanieren zu verbreiten sowie die Liebe zum Kochen zu fördern. Dabei steht das "CC" bei CC-Club für Confrérie Culinaire (Kulinarische Bruderschaft), denn der CC-Club ist Mitglied beim "Confrérie Culinaire Internationale de la Marmite", dem auch Mitglieder aus Belgien, der Niederlande, Österreich, Schweden und der Schweiz angehören. Die als Bruderschaft organisierte Vereinigung hat sich zur Verpflichtung gemacht, keine Gewinne zu erzielen und kennt weder politische, rassistische, nationale, konfessionelle oder standesgemäße Vorbehalte. Inzwischen sind in über 100 deutschen Städten solch kleine Kochgemeinschaften etabliert, die sich Chuchi nennen. Wer hierüber noch Näheres wissen möchte, der kann sich im Internet unter "www.cc-club-kochender-maenner.de" interessante Informationen einholen.
Dr. Herbert Geipert, Chuchi-Leiter der Nibelungen-Chuchi Biebesheim im Range eines Grand Maitre de Chuchi (GMdC), begrüßte die Angekommenen vor dem Domizil der Nibelungen-Chuchi auf dem Hofgut Wasserbiblos und erläutete ein wenig die Hintergründe und Ziele der Bruderschaft und gab auch einen kurzen historischen Einblick in die Geschichte sowohl der Nibelungen-Chuchi als auch des Hofgutes Wasserbiblos.
Angeregt durch die Aktivitäten von bereits bestehenden Chuchinen Oppenheim und Darmstadt beschlossen mit dem damaligen Bürgermeister von Biebesheim, Wilhelm Reinhardt, sieben Personen, dass ein solcher Club für den Ort eine Bereicherung sein kann. Am 30. März 1974 wurde der Club bei einer Taufe mit etlichen Flaschen guten Rheinweins feierlich gegründet. Da die Örtlichkeit der Gründung am "Schwarzen Ort" war, wo laut Sage Hagen von Tronje den Nibelungenschatz versenkt haben soll, lag es nahe, dem Club den Namen "Nibelungen-Chuchi" zu geben. Das erste "Clubheim" waren Räume in der Altenwohnanlage, nach einem Jahr wurden Räumlichkeiten im Hofgut Wasserbiblos angeboten, welches im Jahr 1992 durch ein Mitglied vom Land Hessen erworben wurde. Urkundlich wird Wasserbiblos ab dem Jahr 830 erwähnt, als "Wassenbibeloz" (= Wiese am Wasser) ist seine Lage in einer Schleife des ehemals dort fließenden Neckars gut erläutert.
 

Fehlt noch etwas Salz oder Pfeffer am Vanille-Eis? Abschmecken ist ja so wichtig!
Die Gebäude des Hofgutes wurden in sehr viel Eigenarbeit renoviert, so dass der Club heute in einem stattlichen Domizil residiert, wo mit viel Freude gekocht und diese Kunst an Interessierte weitergegeben wird.
Nach diesen Einführungen ging es an die Arbeit. Je drei Personen bereiteten einen der vier Menü-Gänge unter Anleitung eines Kochs vor, während die beiden übrig gebliebenen die Tisch zu einer festlichen Tafel mit Osterdekoration deckten. Das Menü bestand aus Spargelsülze mit grüner Soße als Vorspeise, danach eine Pilzsuppe, natürlich mit Champignons vom gestrigen Ausflug nach Bürstadt, und dem Hauptgang Schweinebraten mit Wirsinggemüse und überbackenen Rosmarinkartoffelhälften. Das Dessert zum Abschluss bildete Apfelküchlein mit Vanilleeis.
Es gab einiges zu tun, neben Gemüse und Kräuter putzen und schneiden, die grüne Soße auf hohes Geschmacksniveau bringen, wurden das Eis und der Teig für den Nachtisch sowie die Sülze für den Spargel zubereitet, nicht zu vergessen den Schweinebraten, der im Ofen seiner optimalen Garung entgegen sehen musste. Die Messer wurden in deutsch-französischer Eintracht gewetzt, viele Töpfe klapperten und in diversen Schüsseln wurde gerührt und geschlagen. Bei 17 gleichzeitig anwesenden Personen ging es in der Küche zwar eng, aber dennoch sehr geordnet zu, so dass nach eineinhalb Stunden an der Festtafel Platz genommen werden konnte.
Einer gewissen feierlichen Regung konnte sich keiner entziehen, als die fünf Köche die einzelnen Gänge des Essens servierten, das auch fürs Auge dekorativ auf den Tellern aufgetragen war. Nach gut zwei Stunden waren alle zufrieden mit diesem Abend und Chuchi-Leiter Dr. Herbert Geipert sagte in seiner kleinen Rede zum Abschluss, dass es für ihn und die Köche der Nibelungen-Chuchi eine Ehre gewesen ist, dieses Event für die Partnerschaft von Biebesheim und Romilly-sur-Andelle auszurichten, denn auch für die Bruderschaft der kochenden Männer ist die Freundschaft zwischen Deutschland und Frankreich wichtig, "wichtig für die beiden Kommunen, die beiden Länder und vor allem für Europa". Dann verabschiedeten uns die fünf Köche mit deren internen Schlachtruf "rra-hu, rra-hu, rra-hu". (wird fortgesetzt, Bericht und Bilder: Andreas Heister)



 


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